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Reviews



Here is a selection of reviews from NIE performances colletced over the last ten years. Keep checking back for more reviews but also follow us on Twitter@NIETheatre to get the latest NIE reviews as they are published.

[ My Life with the Dogs]

"New International Encounter conjure something extraordinarily rich, drawing on a mixture of languages and a performance style that is a hybrid of clowning and wistfulness. Watching it is like trying to hold a snowflake in your hand: it melts away"
The Guardian

“This gritty, touching, modern-day variation on The Jungle Book is a likeable small-scale effort from a troupe with a sizeable talent”
The Times


[The End of Everything Ever]

“NIE – winners of a Herald Angel award for a previous show – are adept at giving harsh, factual history a touchingly human face. And at mixing comedy and tragedy so as to open our hearts and minds to a past that must not be forgotten.”
The Herald Newspaper

“The exceptional ensemble combines exquisite, highly physical acting and wonderfully integrated live music in a distinctive aesthetic which is redolent of early 20th-century European modernism. From the vicious anti-Semitism that bewilders Agata as she travels on a Berlin tram to the eccentricities of her adoptive parents in London, the piece engages us with a subtle use of humour and pathos. Iva Moberg plays Agata with a tremendous sense of innocence, underpinned by the knowingness of an intelligent child. The effect – as with the collectively devised play as a whole – is deeply moving and genuinely memorable”
The Daily Telegraph

“An inventive and genuinely theatrical production. Brilliantly performed, with cleverly integrated live music, the work is full of humour. It also has an intelligent pathos which never topples over into sentimentality. The entire ensemble works beautifully together, in the best traditions of modern European theatre. NIE’s piece stays with you long after you have left the theatre”
Sunday Herald

“potent storytelling, the comedy and the tragedy running neck and neck. The final tableau of her returning to Berlin, to find nothing left, is harrowing”
The Times

“There’s a lifetime of laughter and tears packed into this 70 minutes – utterly wonderful”
Onstage Scotland

“Simple, versatile staging and a talented cast of actor-musicians with a passion for telling true stories with gusto and passion”
The Herald


[Past Half Remembered]

“… a totally beguiling, tragi-comic caper full of NIE's trademark mayhem and music”
The Herald

“.the show is completely hilarious, with wonderful physical comedy. The cast are delightfully expressive and completely adorable. They tease each other, jostle for the best roles and play with theatrical conventions. Yet they're able to switch from infectious fun to poignant scenes, accompanied by haunting music played by the cast”
The Scotsman

“A beautiful and touching piece about a young woman who falls in love just before the first world war. Fragile, slightly mad and tinged with sadness.”
The Guardian

“An ensemble piece of storytelling in many languages, both easeful and joyous. The mixture of light and dark captures the essence of the stories they tell, which are of humanity winning against long odds, exploring the intimate while hinting at the epic. Clever, inventive, transformative”
Total Theatre

“New International Encounter's funny, touching, dramatic, whimsical tale offers the perspective of those who remained at home….This magical slice of storytelling theatre uses every trick in the book and still leaves you wondering what they'll come up with next. The multinational cast of six speaks five languages, produces an endless array of props, many with unexpected uses, all the while supplying their own live music and revolutionary songs… Although comedy is the vehicle for this rollercoaster it never obscures the pathos of this very human story which, thanks to Aude Henrye's understated Maria, is utterly heartwarming and winning”
The Stage


[My Long Journey Home]

“This is the most tear-inducingly hilarious, stimulating, intelligent, and brilliant piece of theatre I have seen in years…The four actors are breathtaking and NIE is a seriously exciting company”
Three Weeks

“This is physical theatre, energetic and overstated, and the humour is as dark as a Siberian forest. Most Amazing of all is the set, simple and ingenious….Magical”
Fest


Berlin 1961]

Wenn Freiheit zugemauert wird Junges Ensemble zeigt "Berlin, 1961" als Koproduktion mit dem New International Encounter
Von Horst Lohr

Es gibt historische Ereignisse, welche die Welt verändern. Der Bau der Berliner Mauer im Sommer 1961 gehört dazu. Die dramatischen Folgen reichen bis ins Heute. Davon erzählt das Stück "Berlin, 1961". Erarbeitet wurde es als Koproduktion zwischen dem Jungen Ensemble Stuttgart (Jes) und dem New International Encounter (NIE). Das Jes zeigt viele bewegende Aufführungen. Selten jedoch ging eine so unter die Haut wie am vergangenen Samstag diese theatralische Auseinandersetzung mit Unrechtssystemen vom Stil der ehemaligen DDR und ihren brutalen Eingriffen in das Leben der Menschen. Mit feinem Gespür entdecken der norwegische Regisseur Kjell Moberg und die Schauspieler vom Jes und dem New International Encounter hinter einer Mischung aus zarter Komik und überbordendem Slapstick die Tragik von Menschen, denen das Recht auf Selbstbestimmung zugemauert wird. Die Aufführung fängt dies mit ebenso poetischen wie fantasievollen Bildern ein. Ein alter Trabi schwebt als Symbol scheinbarer Freizügigkeit über die Bühne (Ausstattung: Julia Schiller). Die Enge seines Innenraums ist Lebensmittelpunkt der Berliner Familie Schmidt. Mal Haus an der Bernauer Straße, durch das im August 1961 von einem Tag auf den anderen die Grenze zwischen Ost und West verläuft. Mal Gefängnis, wo die 14-jährige Tochter Hannah (jugendlich-kämpferisch: Sarah-Ann Kempin) von der Stasi zur Denunziantin gefoltert wird. In der alten Karre versteckt sich auch der Tunnel, den Hannahs freiheitsdurstiger Bruder Paul (Alexander Redwitz) in den Westen gegraben hat.

Mit starker darstellerischer Präsenz und ihren hervorragend live gespielten und gesungenen Songs (Musik: David Pagan) schaffen die sechs Schauspieler die Imagination einer Unterdrückungsmaschinerie, die bis in den letzten Winkel des Privaten vordringt und das Leben lähmt. Besonders berührend zeigt dies Jes-Schauspieler Gerd Ritter als resignierendes blindes Familienoberhaupt Hermann. Seine Frau Gertrude (Elisabet Topp) flüchtet sich mit einer zwerchfellerschütternden Heulkantate in die Hilflosigkeit. Und der tschechische Schauspieler Tomas Machacek darf im Jes einmal mehr den Erzkomödianten geben, wenn er neben anderen Rollen als russischer Besatzer eine Wodkaorgie zelebriert.

Das Kinderzimmer ist auf dem Trabi-Dach

08.06.2009 - aktualisiert: 08.06.2009 05:41 Uhr
Geniale Geschichtsstunde: "Berlin, 61" im Jungen Ensemble
Von Adrienne Braun

Wenn einer sein Auto dreimal die Woche putzt, dann ist er entweder ein Spießer oder ein Spießer mit Putzwahn. Vielleicht schleppt er aber auch ein Bündel Kummer mit sich herum, das er nicht losbekommt, über das er nicht reden kann und das er beim Polieren des Lackes Runde um Runde versucht abzuarbeiten. Am 13. August 1961 schloss die DDR die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin. Das ist nicht mehr als ein Kapitel in den Geschichtsbüchern. Wie war es aber ganz konkret für die Menschen, denen plötzlich die Haustür zugemauert wurde? Die Stacheldraht vor die Fenster bekamen und ihre Freunde ein paar Häuser weiter nicht mehr besuchen durften?

Im Jungen Ensemble Stuttgart hatte am Wochenende "Berlin, 1961" Premiere, eine wunderbar geglückte Produktion, wie man sie selten erlebt: Ein selbst verfasstes Stück, das die ganz große Geschichte am Beispiel kleiner, ganz gewöhnlicher Menschen erzählt. Eine Ensembleproduktion, die geistreich und originell mit den Mitteln des Theaters spielt, die die vielseitigen Fähigkeiten der Schauspieler nutzt, unterhaltsam und dabei trotzdem alles andere als schnelles Entertainment oder Mainstream ist.

Dass das gelingen konnte, lag daran, dass das Junge Ensemble die freie Kompanie New International Encounter (NIE) eingeladen hat, eine Gruppe mit Schauspielern verschiedener Nationalitäten. Sie haben gemeinsam mit den Stuttgartern zunächst Interviews geführt mit Berlinern, die den Mauerbau erlebt haben, und daraus ein Stück entwickelt: Die 14-jährige Hannah kommt im Sommer mit ihrer Familie aus dem Urlaub zurück in ihre Wohnung in der Bernauer Straße - und von heute auf morgen ist alles nicht mehr, wie es war. Das Pflaster rausgerissen, überall Barrikaden und schwer bewaffnete Soldaten. In die Rückwand ihres Hauses wurde ein Loch geschlagen. "Die können uns doch nicht einfach einsperren", schimpft Hannah in jugendlichem Übermut. Doch, können sie. Und sie können noch mehr.

Auch wenn der Vater versucht, Optimismus zu verbreiten, auch wenn er nicht wahrhaben mag, wie sich die Situation zuspitzt, gerät die Familie Schmidt immer stärker ins Straucheln. Aber der Regisseur Kjell Moberg will nicht einfach Historie auf die Bühne bringen, sondern hat Details eingearbeitet und weitere Motivstränge ergänzt, so dass diese knapp eineinhalb Stunden die Komplexität des Lebens ahnen lassen. Der Vater ist blind, der Sohn mit einer Französin liiert, der Nachbar ein Tscheche. Hannah liebt Hollywoodschinken und hört Elvis. Und manchmal kracht es auch ganz gehörig im Hause Schmidt, wenn die pubertierende Tochter trotzig die Türen knallen lässt.

Randnotizen, die durch die politischen Ereignisse plötzlich relevant werden. Der Sohn flüchtet mit seiner französischen Freundin in den Westen. Hannah wird von der Stasi verhört und gefoltert. Die Mutter wird verrückt und ist eines Tages verschwunden. Übrig bleibt Hannah mit ihrem blinden Vater. Der nette Tscheche entpuppt sich als Stasi-Spitzel, der den Vater erpresst. Hilflos und einsam flüchtet der sich immer häufiger in die Garage und poliert seinen Trabi, Tag um Tag, weil er mit diesem Leben anders nicht mehr fertig wird.

Es gibt Szenen, die die Härte der Realität quälend zeigen - wenn Hannah verhört wird oder zwei Soldaten Wache schieben am Todesstreifen. Aber der Regie gelingt es, das Verstörende dieser Momente durch die Mittel des Theaters zu relativieren, ja abzumildern. Immer wieder steigen die Schauspieler aus den Rollen aus und beschimpfen zum Beispiel die Musiker, dass sie jetzt mal bitte etwas anderes spielen sollen: "Hey, das ist keine romantische Szene". Ohnehin wird viel mit Musik gearbeitet, die mal im Hintergrund die Stimmung wie im Film unterstreicht oder als eigenständiges Element ein Stück Handlung transportiert.

Hauptrequisit dieses Abends ist ein Trabi. Er wird zwar auch als Auto genutzt, aber dient die meiste Zeit als Wohnungstür. Davor ist ein Teppich ausgerollt, stehen ein paar Campingmöbel, die die Wohnung der Schmidts darstellen. Mit Lust am verrückten Spiel wird der Trabi benutzt, Hannahs Zimmer ist auf dem Dach, später wird sie in den Kofferraum gesperrt - der nun die Gefängniszelle darstellt. So wird in "Berlin, 61" nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern erzählt das Theater immer auch von sich selbst, von den aberwitzigen Möglichkeiten, die in Objekten, Instrumenten und Akteuren stecken.

Sarah-Ann Kempin als Hannah und Gerd Ritter als ihr Vater sind die zentralen Figuren dieses Abends, und beiden gelingt es, äußerst präsent und erfrischend lebendig zu sein und dabei doch ganz leise Gefühle und Abgründe anklingen zu lassen. Aber auch die anderen Schauspieler, die die Rollen mehrfach wechseln und Musik machen, zeigen ihr vielfältiges Können. Vor allem versteht der Regisseur Kjell Moberg es, das zu nutzen, was die Schauspieler an Begabungen und Eigenheiten mitbringen und macht im besten Sinne Autorentheater. Tomas Machacek, der nur gebrochenes Deutsch spricht, ist ideal in der Rolle des tschechischen Nachbarn und des russischen Soldaten, Aude Henrye spielt die französische Freundin oder ist die Radiostimme aus dem französischen Feindsender, weil sie fließend französisch spricht. Auch das ist eine dieser großartigen Szenen des Abends, wenn alle um das altmodische Kofferradio herumsitzen und gespannt die Nachrichten vom Mauerbau auf verschiedenen Sendern hören - dabei aber selbst das Programm sprechen. Mit "Berlin, 61" hat das Jes nicht nur bewiesen, dass Theater Politik und Geschichte verständlich machen kann, sondern vor allem, dass Theater eine ungeheuer lustvolle Angelegenheit ist, wenn man seine Mittel zu nutzen versteht. Übrigens ist das Stück ab 14 Jahren, was durchaus meint, dass man sehr viel älter als 14 sein kann.

Deutschland privat (Nachtkritik - www.nachtkritik.de)

von Tomo Mirko Pavlovic

Stuttgart, 6. Juni 2009. Geschichte ist, wenn man nach zwei Wochen Urlaub mit Schmetterlingen im Bauch nach Hause kommt und plötzlich vor einer Wand steht. Vor der Mauer. Den Hauseingang gibt es nicht mehr. An der Rückseite klafft ein Loch. Überall Kameras, Stacheldraht, Soldaten, Maschinenpistolen und – Angst. Die Nachbarn stürzen sich aus den Fenstern in die Freiheit oder in den Tod. Denn diese Mauer führt mitten durch die Bernauer Straße, zwischen dem französischen und dem sowjetischen Sektor in der nun endgültig geteilten Stadt.

Und mitten durch das verliebte Herz von Hannah Schmidt, die jetzt viel lieber an diesen gut aussehenden Jungen und seinen Kuss am letzten Abend am Plattensee denken würde. Doch es ist Sommer 1961 in Berlin. Alles ist jetzt Geschichte. Und ein vierzehnjähriges Mädchen darf nicht mehr träumen.

Perspektive der Schwächsten
Das Junge Ensemble Stuttgart (Jes) zeigt in Kooperation mit dem Theater New International Encounter (NIE) in "Berlin, 1961", wie eine Familie an der Weltpolitik auseinander bricht, indem sie eine einzige Perspektive wählt – und zwar den Blick der Schwächsten. Ein kluger dramaturgischer Kniff. Hannah erzählt Geschichte mit ihren Worten, unverstellt, überhaupt nicht altklug und sympathisch ignorant. Sie erklärt nichts, was sie nicht weiß.

Die Mauer ist noch kein politischer Begriff, sie bedeutet zunächst einmal eine Veränderung des Alltags: Hannah kann nicht mehr ins Lieblingskino Fox, wo sie vor dem Urlaub "Frühstück bei Tiffany" gesehen hat, und ihre Freundlich kann sie auch nicht besuchen, der sie wahnsinnig gern alles über diesen süßen Ungarn verraten wollte.

Im Grunde ist es ja eine schreckliche Story, die sie einem da auftischt: Paul, ihr Bruder, wird fliehen. Ihr Vater wiederum will nicht rüber, weswegen Hannahs Mutter verzweifeln wird. Und Marek, der nette Nachbar, entpuppt sich neuerdings als brutaler Spitzel der Stasi. Hannah landet sogar irgendwann im Gefängnis und wird gefoltert, so lange bis sie verrät wie Paul gefälschte Westpässe organisiert hat. Das Happy End kann warten.

Weinen, keifen, verdrängen
Hannah wird mit dem Hochziehen der Mauer unfreiwillig erwachsen, verschlossener, härter. Ein bisschen so wie ihre Heldin, Audrey Hepburns Luder Holly Golightly, summt sie "Moon River" und fühlt, dass dieses Leben keine Party, keine echte Blake-Edwards-Komödie sein wird. Trotzdem oder gerade deswegen ist "Berlin, 1961" eine unglaublich komische Geschichte, weil Menschen sich normalerweise auch in den historischsten Augenblicken völlig normal, sprich unhistorisch peinlich präsentieren. Sie weinen, sie keifen, sie verdrängen.

Die sechs gut aufgelegten Darsteller stürzen sich mit Verve auf diese unheroischen Kleinbürgerschwächen und spielen und trällern und musizieren drauf los, als gäbe es für Körper und Requisiten kein Morgen. Besonders Tomas Machacek verschüttet seinen betörenden Slapstick-Charme wie eine fallengelassene Wodka-Flasche im Raum, dekliniert als Nachbar Marek und eitler russischer Grenzsoldat Sergej jedes slawische Brachialklischee durch, rollt wie irre die Augen und sein verführerisches "Rrrrr", und schleppt am Ende nach einem Ivan-Rebroff-artigen Bärengebrumm mit Schwung auch noch Hannahs Mutter ab, Elisabet Topp, welche die katastrophierte Mutter gibt. Und zwar – so Hannahs selbstreferenzieller Wink – "wie eine Schmierenkomödiantin".

Hellblau wie der Sommerhimmel
Tatsächlich ist das Overacting von Eisabeth Topp umso verträglicher, wenn jemand die Masche kommentiert. Den besten Trick in diesem Stück, die Mauerschau der Mauer, verrät niemand, was gut ist. Hannahs Vater ist praktischerweise blind und wie das Publikum erfährt auch er nur aus dem Mund der Tochter (eine über allem schwebende Sarah-Ann Kempin) vor den Rängen stehend und ins Nichts blickend, was gerade angezettelt wird.

Das klingt konstruiert, wirkt aber plausibler als ständiges Radiohören. Gerd Ritter umgibt den Hermann mit einer Aura der hoffnungslosen Unnachgiebigkeit – der Hiob aus der Bernauer Straße. Sein letzter Trost ist das Polieren des eigentlich wichtigsten Akteurs an diesem Abend: der Trabi. Hellblau wie der Sommerhimmel über Berlin spielt er die brillante Mehrfachrolle des Jugend- und Wohnzimmers, der Mauer, auch eines Wachturms, der Folterzelle und des verruchten Cafés der Volkssolidarität. Er dreht sich wild im Kreis. Tanzt über die Bühne schwerleicht wie die Gefühle eines deutschen Mädchens im Sommer '61.